Montessori
Landesverband
Baden-Württemberg e.V.

Workshop 1 mit Karl Grass: Erstellung eines Arbeitsmaterials zum Leseverständnis mit dem Schwerpunkt der optischen Differenzierungsfähigkeit

12 Bildergeschichten von "Vater und Sohn" aus dem Buch von Erich Ohser konnten in diesem Workshop hergestellt werden. Dazu passend zur Aufbewahrung ein Holzkästchen. Jede Bildergeschichte besteht aus 6 Kärtchen, die vom Kind in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen. Zu jeder Bildkarte gibt es eine Textkarte, auf der mehrere Fragen stehen, die beantwortet werden sollen. Je nach Alter des Kindes kann es die Fragen selbst lesen, oder der Erwachsene liest sie vor.

Dieses Material hat als Zielsetzung die Differenzierung der optischen Wahrnehmung und soll die Freude am Lesen wecken. Es kann sowohl im Kinderhaus für die älteren Kinder eingesetzt werden als auch im Grundschulbereich. Die lustigen Bilder wecken sicherlich großes Interesse bei den Kindern!

Der Workshop war bis ins Detail perfekt vorbereitet, so dass die Teilnehmer mit einem Erfolgserlebnis, dem fertigen Material, nach Hause gehen konnten. Ein großes Dankeschön an Herrn Grass für diesen gelungenen Workshop.

Angelika Buck

Workshop 2 mit Dr. Erika Brinkmann: Entwicklung der orthografischen Kompetenz

Vorbemerkung:
Man stelle sich vor - eine sorgfältige Planung mit vielerlei Grafik und Beispielen, um das doch eigentlich spröde Thema für die Zuhörer anschaulich zu entfalten, doch die Technik versagt ihren Dienst. Katastrophe für jede Referentin, aber nicht für Frau Dr. Erika Brinkmann. Sie stellte sich hin und referierte, erzählte zwei Stunden lang und die Zuhörer waren gespannt, begeistert. Herzlichen Dank!

Stichworte des Referates:
· Kinder erfinden die Schriftsprache neu
· Fehlerhafte Vorstufen sind lernnotwendig
· Das Ziel, die Erwachsenen-, die Buchstabenschrift, wird nicht bis zum Ende der Grundschulzeit erreicht. Eine andere Erwartung ist Illusion und nicht Ziel der Grundschule
· Weg mit der Fibel, sie ist eine Krücke für den Lehrer/die Lehrerin (Brügelmann)
· Eine Gleichschrittigkeit beim  Lesen- und Schreibenlernen verbietet sich; es könnten einige Kinder unterwegs verlorengehen
· Überdenken und Verwerfen eingefahrener Übungsformen. Kindern helfen, brauchbare Schreib-, Rechtschreib-, Lesestrategien zu entwickeln.

Wie entwickelt sich die orthografische Kompetenz?
Kinder erfinden die Schriftsprache neu. Alles Lernen kommt aus den Kindern, wenn sie die Anregung dazu bekommen. Dies geschieht weit vor Schuleintritt(Frau Dr. Brinkmann hat dies eindrücklich am Beispiel ihrer Tochter Lisa dokumentiert in Brügelmann /Richter "Wie wir recht schreiben können" Libelle Verlag). Bei allen Entwicklungen sind fehlerhafte Vorstufen notwendig und anerkannt. Kein Mensch käme auf die Idee, die ersten Krabbel- und Gehversuche wegen der Möglichkeit des Hinfallens und Stolperns ständig zu korrigieren und so das Kind an seinem Fortschreiten zu hindern. Ähnliches gilt für die ersten Malversuche. Doch beim Lesen- und Schreibenlernen wird der Fehler oft als Defizit bzw. als etwas unter allen Umständen zu Vermeidendes angesehen - es könnte sich ja Falsches einprägen. "Nein!" sagt Frau Dr. Brinkmann. Fehler gehören dazu. Sie eröffnen Fenster in die Denkwelten der Kinder. Falschschreibungen waren oft einmal historisch möglich. Auch Regelwerke zur Grammatik sind unterschiedlich und immer wieder fallen Wörter aus den Regelwerken heraus. Regelungen helfen nicht immer, sie müssen  mit/ von den Kindern erarbeitet und verstanden werden und für eine große Anzahl von Wörtern zutreffen. Beispiel Groß- und Kleinschreibung: Regel: Wir haben eine Kleinschreibung, Nomen ausgenommen.Aber Rechtschreiben findet implizit statt, also nicht über Regeln.Es entwickelt sich durch den Umgang mit Schrift durch viel Schreiben von Anfang an. Dabei durchlaufen alle Kinder die gleichen Stadien, nur nicht alle zur gleichen Zeit.Die Aufgabe der Schule ist es, den Kindern zu helfen, diese Prozesse schneller zu durchlaufen. (Ein Kind das im Alter von 2,9 Jahren beginnt sich in die Welt der Schrift einzuarbeiten und dabei die adäquate Beachtung findet,  ist eben demjenigen weit voraus, das diesen ganzen Weg kurz vor oder gar erst zu Beginn des Schuleintritts begeht.)Kinder müssen ein Rechtschreibgespür entwickeln, denn Ziel bleibt die vereinbarte Schrift der Erwachsenen, die Buchschrift. Dieses Ziel kann nicht bis zum Ende der Grundschulzeit erreicht werden. In den Sekundarschulen müssen Kinder unbedingt weiter unterstützt werden.

Entwicklungsmodell für den Erwerb der Schriftsprache
Vier notwendige Einsichten, die Kinder machen müssen:
1. Schrift bildet Bedeutung ab. Etwas wird immer wieder gleich vorgelesen: Märchen, Geschichten, Klassenkorrespondenz. "Schreiben bedeutet Festhalten von Sprache."Kritzeleien reichen nicht aus. Schrift ist an ein Buchstabensystem gebunden. Das setzt ein logografisches Verständnis voraus: wir brauchen mehrere verschiedene Zeichen für ein Wort.
2. Lautbezug der Schrift: 26 Zeichen bilden eine unendlich lange Lautkette ab (es gibt Sprachen, die eine hohe Passung von Laut und Zeichen aufweisen z.B. das Finnische. Im Deutschen kommen oft auf einen Laut fünf verschiedene Schreibungen, im Englischen beim <e> zwölf!). Kinder müssen laut vor sich hinsprechen und bilden so Sprache schrittweise ab. Dabei sind Fehler normal, z.B. wird nur der erste Laut eines Wortes abgebildet oder Laute, die  aus dem "Lautstrom" hängen bleiben. Wenn Kinder dies häufig üben, werden es immer mehr richtig abgebildete Buchstaben. Aus diesen skelettartigen Wortstrukturen oft ohne Vokale (entspricht der hist. Entwicklung unserer Buchstabenschrift. Erst die Griechen fügten unserer Buchstabenschrift die Vokale hinzu.) entwickelt sich allmählich eine lautgetreue Schreibweise. 
3. Orthografische Eigenständigkeit der Schrift In der Schrift gibt es  Buchstabengruppen, die sich aus einer Lautanalyse nicht ableiten lassen: Verdoppelungen Dehnungen, Konsonantenverbindungen <sch>,  ...Was macht jemand, der lautierend schreibt?Wir müssen stets einen Perspektivenwechsel vornehmen und unsere Fantasie und unser Einfühlungsvermögen schärfen. Dann können wir entschlüsseln, dass ailawju - I love you! bedeutet.Und wir müssen in unseren Einrichtungen ( Kindergarten und Schule) viele Gelegenheiten schaffen, damit Kinder herausgefordert werden, sich schriftlich auszudrücken: Klassenkorrespndenz, feste Schreibzeiten....und viele gute Geschichten vor- oder selber lesen lassen.Kinder brauchen immer wieder einen Grund zum Schreiben, sonst lernen sie das Schreiben nicht. Dabei verbietet sich die Gleichschrittigkeit. Für Kinder ist es wichtig, sich ihre Wörter selber zu konstruieren, auch wenn der Weg mühsamer ( manchmal aber auch lustvoller) ist.  Prägen sie sich lrdiglich über einen festgelegten Lehrgang Wörter ein, fallen Rechrschreibprobleme erst im dritten Schuljahr auf, wenn es darum geht eigenständig mit Schrift umzugehen. Darum hat das lautierende Schreiben eine zentrale Bedeutung.

Welche Hilfen können wir Kindern geben?
Eine Forderung: Reichert Reichen an!" (Oder eine Anmerkung der Berichterstatterin: Beachtet konsequent die Grundsätze des Schriftsprachenerwerbs bei Montessori). Kinder brauchen Anhaltspunkte, gute schriftliche Vorbilder.

Vier Säulen im Unterricht ohne Fibel:
1. Schreiben von Anfang an mit einer Anlauttabelle mit Bildern, oft nur Einwortsätze. 
2. Lesen, lesen, lesen.
Schrift hat eine Funktion. Sie muss gelesen werden. Die Lehrerin liest vor und hilft eine literarische Kompetenz zu entwickeln. Ein breites Bücherangebot (am Anfang z.B. die "Regenbogenlesekiste" mit leicht lesbaren, interessanten, unterschiedlichen Textsorten) sollte den Kindern jederzeit zur Verfügung stehen. Das Kurzzeitgedächtnis kann fünf bis sieben Wörter speichern. Dies reicht also aus für die ersten Texte, um Kinder zu ermutigen :"Ich kann was, ich habe etwas herausgekriegt!"Es sind keine Leseübungen für alle gleichzeitig nötig.Dagegen eine freie Lesestunde für alle.Und vorlesen heißt: Ich lese meinen Lieblingstext vor.Schwache Leser brauchen unsere Unterstützung z.B. durch "pair-reading": Lehrerin liest leise mit bei schwierigen Wörtern und hilft Klippen zu erklettern. (Sie hat ja dazu Zeit, die anderen lesen für sich. Zehn Prozent der stärksten Leser einer Klasse lesen hundertmal mehr als schwache.)
3. Scheiben, schreiben, schreiben.
Starke und schwache Schülerinnen machen die gleiche Entwicklung durch, nur das Tempo ist unterschiedlich. Hilfe bei Raumlageproblematik: Rechts- Links-Verwechslung von Buchstaben (b, d, p, q,...) hier helfen keine isolierten Raumlageübungen (Differix) Untersuchungen haben erwiesen, dass die Raumlagestabilität nicht von einem in ein anderes System übertragbar ist! Also keine unnütze Zeit verschwenden, sondern Probleme direkt angehen! Z.B.suche das auf einer Seite oder setze richtig ein. Aber stets nur auf einen Buchstaben beschränken, um die Ranschburgsche Hemmung zu vermeiden! "Buchstabensuppen" nur mit Bild und wenn das Kind schon lautieren kann.
4. Rechtschreiben üben.
- Wenn das Kind lautgerecht schreibt, braucht es anspruchsvolle Angebote.
- Schwierige Wörter diktieren, jeden Tag ein Wort; begründen lassen, warum das Kind  es so geschrieben hat. In Schleifen von mehreren Wochen wiederholen.
- Einfache Regeln: < a, e, i, o, u > meistens ohne Dehnung.
- Lange und kurze Laute müssen unterschieden werden können. Kinder die hier Schwierigkeiten haben, sollten eigene Wörter sammeln z.B.Wörter mit <ah>, die zur gleichen Wortfamilie gehören, haben den "ah-Tick" , sie werden alle so geschrieben.
- Kinder können einen Taschenspiegel benützen um Artikulationen besonders zu machen.
- Kurz, wir müssen Kindern verfahren vermitteln, wie man Probleme löst.

Aus den genannten Beispielen ist ersichtlich, dass Vieles individuell erarbeitet werden muss. Das Nachdenken über Sprache, die daraus abzuleitenden Regeln und das Teilen und Genießen von eigener und fremder Literatur - und die daraus erwachsende Kompetenz, mit Schriftsprache selbstbestimmt umzugehen, entwickelt sich nur im gemeinsamen Unterricht. Frau Dr. Brinkmann verwies noch auf die von ihr herausgegebene Fachzeitschrift für die Praxis: GRUNDSCHULE DEUTSCH. Sie erscheint im Kallmeyer Verlag.

Christine Wengert

Workshop 4 mit Martina Kuhr-Hanel (Montessori-Therapeutin) und Franz Hanel: Montessori-Therapie - besondere Wege zur Selbstständigkeit am Beispiel von Kindern mit Teilleistungsstörungen

Eine Fülle an Materialien war bereit gestellt und machte neugierig. Manches geht aber auch ohne Material: Fr. Kuhr-Hanel ließ Schrittfolgen übernehmen und weitergeben, tat dann dasselbe mit Klatschrhythmen und schließlich mit Schrittfolgen und Klatschrhythmen kombiniert. Zwischendurch schilderte sie die Beobachtungs- und Diagnosemöglichkeiten sowie die Ableitung therapeutischer Maßnahmen. Nun wurden die "Boom-Whackers" (nach Farben und Tönen abgestufte Kunststoffröhren) mit einbezogen in den "Kreis-Tanz".

Nach diesem bewegten Anfang war mentale Bewegung angesagt: Immer wieder wurden wir zum Spagat angehalten, Spagat zwischen klassischem Umgang mit Materialien (siehe Materialbuch) und dem Umgang im diagnostischen und therapeutischen Bezugsrahmen, der offen sein muss. So erlebten wir ein fulminantes Feuerwerk an Kreativität im Umgang mit Materialien und Menschen im Rahmen der Montessori-Therapie.

Jetzt weiß ich`s: So also kann "der reiche Schatz der Montessori-Pädagogik genutzt und verstanden werden" (Zitat aus der Ausschreibung zum Workshop).

Danke Frau Kuhr-Hanel, danke Herr Hanel.

Neugierig geworden?
Referenzadresse: Martina Kuhr-Hanel und Franz Hanel, Zwinggasse 7, 87700 Memmingen

Wolfgang Assbrock

Workshop 5 mit Karin Thullner: The magic of storytelling

Wir starteten mit einer Geschichte von einer kleinen alten Frau, die nicht glücklich war in ihrem Haus - es war zu klein.... Durch das anschauliche Eingangsbild (Seidenmaltechnik) waren wir bereits gefesselt. Mittels Bildern, die sehr aussagekräftig und ästhetisch waren, prägnanten Textteilen oder immer wiederkehrenden, einprägsamen Sätzen, erzählt am selbst erstellten, vereinfachten Skelett der Geschichte bekamen wir im Verlauf der Veranstaltung die unterschiedlichsten Geschichten erzählt.

Alle Erwartungen an den Workshop wurden erfüllt, wir erhielten Einblick in die theoretische Vorbereitung und in verschiedene Methoden der praktischen Umsetzung. So macht Lernen Spaß!

Vielen Dank an Karin Thullner.

Y. Löschberger

Workshop 7 mit Gabriele Binder: Kosmische Erziehung - Das Geheimnis des Labyrinths

In diesem Workshop konnten die Teilnehmerinnen auf den Spuren des Labyrinths eigene Erfahrungen machen, über die Bedeutung, auch in den unterschiedlichsten Kulturkreisen, vieles erfahren und erhielten für die Umsetzung mit Kindern vielfältige Anregungen.

Was ist ein Labyrinth? 
Aus einer Spirale oder dem Mäandermuster entwickelt, hat das Labyrinth im wesentlichen immer die gleiche Form. Von einem Kreuz ausgehend werden anfangs sieben, später mehrere Kreise gezogen, die einen verschlungenen Weg bilden.  Dieser Weg hat keine Abzweigungen und bildet keine Sackgassen oder Irrwege. Er führt hin und her, biegt immer wieder nach innen und nach außen ab und gelangt schließlich zur Mitte. Dort ist der Ort der Umkehr. Es führt der gleiche Weg wieder zurück.

Frau Binder hatte für uns Teilnehmerinnen ein großes Labyrinth mit kleinen weißen Marmorsteinen ausgelegt. Der Eingang liegt immer im Westen. Wer wollte, konnte zuerst das Labyrinth durchschreiten und ganz eigene Erfahrungen sammeln. Es gab die Möglichkeit langsam zu gehen oder im Pilgerschritt (3 Schritte vorwärts einen Schritt zurück) zu wandern. Ursprünglich wurde im Labyrinth auch getanzt. Wir konnten uns alleine oder zu zweit darin bewegen, oder andere Möglichkeiten ausprobieren. Spontan ließ sich eine Teilnehmerin blind als Geführte durch das Labyrinth führen. Bewusst wurde auf Musik verzichtet, um die Konzentration ganz auf das Labyrinth zu lenken.

Beim Durchschreiten eines Labyrinthes gibt es zwei Möglichkeiten für den Rückweg: Den gleichen Weg wieder zurückzugehen oder von der Mitte aus das Labyrinth nach Osten zu verlassen. Entsprechend unterschiedlich waren die Erfahrungen der Einzelnen. In Nellingen / Ostfildern gibt es an der Kirche ein Graslabyrinth als Möglichkeit für eigene Erfahrungen.

Wir erfuhren einiges über die Bedeutung des Labyrinths:
Auf allen Kontinenten der Erde, wurden Spiralen/ Labyrinthe gefunden und daher gibt es die unterschiedlichsten Auslegungen:
· Verweilen - die Mitte suchen - die Engen des Lebens meistern
· Der Lebensweg geht nicht geradeaus, er führt über Windungen und Wendungen
· labore  - arbeiten,  intere    -  hinein, d.h. in die Mitte hineinarbeiten
· Auf der Suche sein: nach der eigenen Wesensnatur, nach dem Göttlichen in uns
· Umkehr und Befreiung
· Das Labyrinth ist ein Symbol der Erde, die Gebärmutter der Seele und der Platz des Tanzes
· Geburt - Wiedergeburt
· Labyrinth in der griechischen Sage über die Entstehung Europas: In der Mitte wartet der Minotaurus
· Labis  -  Doppelaxt / gekreuzte Axt, Labis intro   -   ein heiliger Ort
· Kosmos - Welt: Die Verbindung Quadrat (Erde) und Kreis (Himmel) ist im Labyrinth ein Zeichen der Ganzheit des Universums. Das Kreuz ( Mensch) ist der Schnittpunkt der Ganzheit. Im Menschen vereinen sich Geist und Körper, und beide manifestieren sich in ihm mit großer Kraft.

An Stellwänden hatte Frau Binder zusätzlich die verschiedensten Labyrinthe, Verse und Texte vorbereitet, ebenso einen reichhaltigen Büchertisch. Schade, dass zum Schmökern wenig Zeit blieb.

Im zweiten Teil des Workshops am Sonntag lernten wir, wie ein Labyrinth gemalt wird. Nach einer gewissen Übungsphase stellte sich der Erfolg ein. Jede Teilnehmerin suchte zu ihrem Labyrinth einen Spruch aus, und es wurde so gemeinsam ein Plakat gestaltet.

Frau Binder berichtete von einer Begegnung mit einer jungen Lehrerin in Litauen. Diese äußerte: "Schade, dass die Montessori - Pädagogik bei uns noch so wenig verbreitet ist, wo diese doch neben der Waldorfpädagogik die einzige spirituelle Erziehung ist." Jede konzentrierte Beschäftigung mit Material ist wie eine Meditation. Gerade heute fehlt es den Kindern, auf Grund verschiedenster Umstände, wie z.B. schwierigen Familienverhältnissen, Medien usw. an Zentrierung. Maria Montessori wies darauf hin, dass der Zustand der Menschheit ein großer äußerer Fortschritt bedeutet, aber keinen inneren ohne die Einheit der Persönlichkeit. Ein Indianerhäuptling sprach in seiner Rede:"Der erste Friede ist der mit sich selbst,dann der Friede zwischen den Menschen,dann folgt der Friede zwischen den Völkern." In Indien ist es Brauch, dass zuerst das Haus geputzt und danach ein Labyrinth vor der Haustüre gelegt wird. Diese Geste heißt jeden willkommen. Bei besonderen Festlichkeiten ist das Labyrinth bunt mit verschiedenen Mustern. Vor der Geburt wird als Ritual Sand mit dem Wasser des Ganges gemischt und damit ein Labyrinth vorbereitet.

Einige Anregungen zur Umsetzung mit Kindern im Unterricht:
· Ein Labyrinth auf dem Schulhof mit kleinen Steinchen legen, mit Kreide aufmalen. Evtl. Im Schulgarten ein Graslabyrinth anlegen.
· Die Kinder tragen Teelichter und platzieren diese zwischen den Steinen.
· Die Kinder entzünden ihre Kerzen an einer großen Kerze in der Mitte und tragen das Licht mit hinaus. (z.B an Ostern - Auferstehung)
· Das Labyrinth durchtanzen
· Ein Labyrinth auf Papier malen
· Nagelbilder herstellen
· Mit einem Kajalstift Tattoos auf die Haut malen
· Auf einer roten Serviette Senfsamen oder Kresse einsäen
· Aus Ton eine Tellerform herstellen und ein Labyrinth einritzen
· Auf einer Holzscheibe einbrennen· Samenbilder
· Steinbilder In Indien gibt es in der Schule einen Stilleraum mit brennender Kerze, der während der Freiarbeit als Wahlmöglichkeit aufgesucht werden kann.

Zum Schluss beschäftigten wir uns noch ausführlich mit dem Labyrinth von Chartres.(u.a. auch mit Kirchenfensterrosetten als Einführung in die Geometrie und die Anwendung des Zirkels). Ich persönlich habe große Lust bekommen, an diesem Thema weiterzuarbeiten, und  freue mich auf den Weg mit meinen SchülerInnen ins Labyrinth.

Wer ebenfalls mehr über das Labyrinth erfahren möchte und praktische Anregungen sucht, für denjenigen/diejenige ist folgendes Buch als Einstieg sehr empfehlenswert: Labyrinthe - Ein Praxisbuch zum Malen, Bauen, Tanzen, Spielen, Meditieren und Feiern / Gernot Candolini, Pattloch-Verlag. ISBN 3-629-00800-3

Beate Wieland

 

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