Montessori
Landesverband
Baden-Württemberg e.V.

Das erste Kinderhaus 1907

6. Januar 1907 - Eröffnung des ersten casa dei bambini in San Lorenzo, Rom

Am 6. Januar vor 100 Jahren eröffnete die italienische Ärztin in Roms Elendsviertel San Lorenzo ihr erstes, revolutionär wirkendes Kinderhaus (casa dei bambini) und damit begann die heute weltweit verbreitete Montessori-Bewegung.

Maria Montessori hatte zwar schon vor diesem Kinderhaus - heute sagen wir Kita - erste pädagogische Erfahrungen bei der Arbeit mit sozial deprivierten Kindern gesammelt. Angeregt durch die sehr schwierigen sozialen Verhältnisse in großen Teilen Italiens engagierte sie sich in der Frauenbewegung und hielt auf dem internationalen Frauenkongress 1896 in Berlin eine viel bewunderte und zitierte Rede. Doch von 1907 an nahm Maria Montessoris Leben eine andere Richtung. Aus der Ärztin mit Doktortitel und intensiven sozialreformerischen Ideen wird von diesem Jahr ab eine engagierte Pädagogin mit einer völligen Hinwendung zur Sache des Kindes.

Maria Montessoris Zuordnung zur Reformpädagogik ist durch das Spannungsverhältnis von Erziehung und Bildung gekennzeichnet. Ihr Interesse galt vordergründig nicht der Reform der Schule sondern der Erziehung allgemein - von der Geburt bis zum Erwachsenenalter. Dabei postulierte sie ein einheitliches Zusammenspiel von Elternhaus und den verschiedenen Erziehungsinstitutionen bezogen auf die Zielrichtung der Erziehung.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit als Assistenzärztin an der Psychiatrischen Klinik in Rom kam Montessori ab 1896/97 erstmals mit pädagogischen Fragestellungen und Problemen in Berührung. Durch die Arbeit mit diesen Kindern wurde sie darin bestätigt, dass eine anregende Umgebung, die Ausbildung und Verfeinerung der Bewegung und der sinnlichen Wahrnehmung diese Kinder eher in ihrer Entwicklung förderten als rein medizinische Maßnahmen.

Ähnliche Gedanken hatten die beiden französischen Ärzte Itard (1774-1838) und Seguin (1812-1880) schon einige Jahrzehnte vor ihr postuliert. Seguin stellte die These auf, die tätige Hand fördere die Intelligenz. Dazu entwickelte er Übungsmaterialien, die Maria Montessori inspirierten, ihr eigenes didaktisches Material zu schaffen. Als sie 1907 die Gelegenheit zur Eröffnung des Kinderhauses für 50 noch nicht schulpflichtige Kinder in einem Armenviertel Roms bekam, wendete sich ihr Interessengebiet zur Pädagogik hin und die eigentliche Montessori-Bewegung begann.

In dieses Haus für Kinder brachte sie ihr bisher entworfenes Material, verfeinerte, modifizierte und systematisierte es und entwarf durch die konsequente Beobachtung der Kinder angeregt zusätzliches. Die Kinder zeigten große Freude am Lernen, waren konzentriert bei ihrer Tätigkeit, sie waren ernsthaft, erfolgreich und wurden selbstbewusster. Hospitantinnen kamen anfänglich aus ganz Italien, zunehmend aber auch aus allen europäischen Ländern und den USA.

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